Kratzen im Hals, eine laufende Nase, leichter Druck im Kopf – oft merkt man ziemlich schnell: Da ist etwas im Anflug.
Die typische Erkältung, medizinisch als „Common Cold" bezeichnet, wird fast immer durch Viren verursacht. Besonders häufig sind Rhinoviren beteiligt, daneben kommen zahlreiche weitere Viren infrage.
Entscheidend ist dabei ein Punkt, der häufig übersehen wird: Viele der typischen Beschwerden entstehen nicht allein durch das Virus selbst, sondern auch durch die Immunreaktion unseres Körpers.
Zink – besonders interessant in der frühen Phase
Unter den klassischen Nahrungsergänzungen gehört Zink zu den am besten untersuchten Substanzen bei Erkältungen.
Zink ist ein essenzielles Spurenelement und spielt unter anderem eine wichtige Rolle für die normale Funktion des Immunsystems. Es ist an zahlreichen enzymatischen Prozessen beteiligt und wird für die Entwicklung und Funktion verschiedener Immunzellen benötigt.
Interessant wird Zink vor allem dann, wenn es sehr früh eingesetzt wird. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Zink-Lutschtabletten die Dauer einer Erkältung verkürzen können. Eine aktuelle Cochrane-Auswertung kam zu dem Ergebnis, dass eine bereits bestehende Erkältung durch Zink möglicherweise um etwa zwei Tage verkürzt werden kann. Die Sicherheit dieser Evidenz ist allerdings begrenzt und die untersuchten Präparate und Dosierungen unterscheiden sich teilweise deutlich voneinander.
Dabei ist auch die Darreichungsform relevant: Untersucht wurden unter anderem Zinkacetat und Zinkgluconat als Lutschtabletten.
Von Zink-Nasensprays bzw. intranasalen Zinkpräparaten ist dagegen abzuraten. Sie wurden mit einem Verlust des Geruchssinns in Verbindung gebracht.
Wichtig ist außerdem: Höhere Zinkmengen sind nicht automatisch besser. Eine längerfristig hohe Zinkzufuhr kann unter anderem den Kupferstoffwechsel beeinträchtigen.
Vitamin C – sinnvoll, aber kein Wundermittel
Vitamin C ist wahrscheinlich das bekannteste „Erkältungsvitamin". Die Datenlage ist allerdings differenzierter, als die Werbung häufig vermuten lässt.
Bei den meisten Menschen verhindert Vitamin C eine Erkältung nicht zuverlässig. Interessanter wird es bei regelmäßiger Einnahme. Studien zeigen, dass Vitamin C die Dauer und teilweise auch die Schwere einer Erkältung moderat reduzieren kann.
Besonders interessant scheint Vitamin C außerdem bei Menschen zu sein, die kurzfristig außergewöhnlich hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind.
Was weniger überzeugend ist: Erst beim Auftreten der ersten Symptome mit Vitamin C anzufangen und davon einen massiven therapeutischen Effekt zu erwarten.
Aus funktionell-medizinischer Perspektive würde ich Vitamin C deshalb weniger als „Medikament gegen Erkältung" betrachten, sondern vielmehr als Bestandteil einer guten Mikronährstoffversorgung.
Vitamin D – eher Fundament als Akuttherapie
Vitamin D ist eng mit der Regulation des Immunsystems verbunden. Vitamin-D-Rezeptoren finden sich auf verschiedenen Immunzellen, und eine ausreichende Versorgung ist für eine normale Immunfunktion relevant.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine hohe Dosis Vitamin D eine bereits begonnene Erkältung innerhalb weniger Stunden stoppen kann. Sinnvoller ist es, Vitamin D als langfristigen Bestandteil einer guten Immunregulation zu betrachten.
Gerade in den Wintermonaten kann deshalb eine Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf eine unzureichende Versorgung besteht.
Das Ziel sollte nicht sein, möglichst hohe Werte zu erreichen, sondern eine adäquate Versorgung sicherzustellen. Vitamin D ist fettlöslich und kann bei übermäßiger Supplementierung problematisch werden.
Echinacea – die Zubereitung macht einen Unterschied
Echinacea gehört zu den klassischen pflanzlichen Erkältungsmitteln.
Das Problem bei der Interpretation der Studien: „Echinacea" ist nicht gleich Echinacea. In Untersuchungen wurden unterschiedliche Pflanzenarten, Pflanzenteile, Extraktionsverfahren und Dosierungen verwendet. Dadurch sind die Ergebnisse nur schwer miteinander vergleichbar.
Einige Präparate zeigen Hinweise auf positive Effekte, insgesamt lässt sich jedoch kein eindeutiger therapeutischer Effekt für sämtliche Echinacea-Produkte ableiten.
Gerade bei Pflanzenextrakten gilt deshalb: Nicht nur der Name der Pflanze ist entscheidend, sondern auch Extrakt, Konzentration und Dosierung.
Probiotika – interessant für die Prävention
Auch das Darmmikrobiom steht in enger Wechselwirkung mit dem Immunsystem. Darmbarriere, Mikrobiom und mukosales Immunsystem kommunizieren kontinuierlich miteinander. Damit ist der Darm nicht nur für Verdauung und Nährstoffaufnahme relevant, sondern auch Teil unserer immunologischen Regulation.
Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Probiotika die Häufigkeit oder Dauer respiratorischer Infektionen reduzieren könnten.
Allerdings gilt auch hier: Die Wirkung eines Probiotikums lässt sich nicht pauschal auf alle Produkte übertragen. Stamm, Dosierung und Kombination der verwendeten Mikroorganismen sind entscheidend.
Probiotika sind deshalb eher eine Strategie für die längerfristige Unterstützung von Darm- und Immunfunktion als eine klassische Akutmaßnahme, wenn die Nase bereits läuft.
Honig bei Husten
Ein überraschend einfaches Hausmittel besitzt ebenfalls eine interessante Datenlage: Honig.
Insbesondere bei Kindern kann Honig nächtlichen Husten lindern und dadurch möglicherweise auch den Schlaf verbessern.
Und was ist mit Knoblauch?
Knoblauch enthält verschiedene schwefelhaltige Verbindungen, insbesondere Alliin beziehungsweise das daraus entstehende Allicin.
Laboruntersuchungen zeigen interessante biologische Eigenschaften. Das bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass Knoblauch Erkältungen beim Menschen zuverlässig verhindert oder behandelt. Die klinische Datenlage ist dafür bislang zu dünn.
Knoblauch kann selbstverständlich Bestandteil einer gesunden Ernährung sein – ihn als hochwirksames Erkältungsmedikament zu bezeichnen, wäre derzeit aber übertrieben.
Schlaf: möglicherweise eine der unterschätztesten Maßnahmen
Während einer Infektion laufen zahlreiche energieintensive immunologische Prozesse ab. Genau deshalb ist es wenig sinnvoll, den Körper während einer beginnenden Erkältung gleichzeitig mit Schlafmangel, Alkohol, extremem Training und zusätzlichem Stress zu konfrontieren.
Aus funktionell-medizinischer Perspektive würde ich deshalb bei den ersten Symptomen zuerst die Basics optimieren: Schlaf priorisieren, Trainingsbelastung reduzieren, ausreichend trinken, eine bedarfsgerechte Protein- und Mikronährstoffversorgung sicherstellen und unnötige Stressoren reduzieren.
Was ich bei den ersten Erkältungszeichen priorisieren würde
- Schlaf und Regeneration priorisieren.
- Trainingsintensität vorübergehend reduzieren.
- Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
- Eine gute Versorgung mit Protein und Mikronährstoffen sicherstellen.
- Zink-Lutschtabletten können bei frühem Einsatz interessant sein.
- Vitamin C eher als Bestandteil der Basisversorgung betrachten.
- Vitamin D langfristig anhand der individuellen Versorgung optimieren.
- Darmgesundheit, Ernährung und Mikrobiom nicht erst dann beachten, wenn die Erkältung bereits begonnen hat.
Quellen & weiterführende Literatur
Examine – Common Cold
Evidence-based Überblick zu Nahrungsergänzungen und Interventionen bei Erkältungen.
Nault D, Machingo TA, Shipper AG et al. – Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews (2024).
National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) – The Common Cold and Complementary Health Approaches. Wissenschaftlicher Überblick zu Zink, Vitamin C, Echinacea, Probiotika, Honig, Nasenspülungen, Pelargonium und Knoblauch bei Erkältungen.
Hemilä H, Chalker E – Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews.
Karsch-Völk M et al. – Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews. Auswertung von 24 kontrollierten Studien mit insgesamt 4.631 Teilnehmern.
Allan GM, Arroll B – Prevention and treatment of the common cold: making sense of the evidence. Übersichtsarbeit zu Prävention und Behandlung der Erkältung.